Im Windschatten des Trucks


So sehr „Truck Store Niebel“ auf vielen Events präsent ist, so sehr gleicht Thorsten Niebel mitunter einer Fata Morgana. Doch auf der „Texana“ in Paaren Glien gelingt es uns, den viel beschäftigten Geschäftsführer eines der größten Western- und Freizeitmodeversandhandels zu treffen. Ein Lasso, ihn vorm Mikrofon festzubinden, bräuchten wir  allerdings nicht aus Angst, er könnte uns entwischen, sondern eher wegen Sturmtief „Martin“. Das bläst am Beginn der Texana derart kräftig über das Brandenburger Land, dass so mancher Händler schon aufgab. Auch der mit leuchtenden Airbrush-Motiven verzierte Verkaufs-Truck von Thorsten Niebel bleibt heute geschlossen. „So einen stürmischen Standplatz hatte ich noch nie“, schüttelt der 37-jährige seinen Kopf und rangiert dann in Millimeterarbeit die Zugmaschine ganz nahe an den Auflieger, um so wenigstens ein wenig Windschatten zu erreichen.

Seit 1994 ist er mit diesem Truck unterwegs. Fahren kann nur er ihn, denn es ist schon eine besondere Herausforderung, das 19 Meter lange Gefährt auf die Standplätze zu bugsieren. Ein „richtiger“ amerikanischer Truck, das war der Traum von Vater und Sohn Niebel. Gekauft haben ihn die beiden 1994 in Salt Lake City. Dort besorgten sie auch verschiedene Ersatzteile und ließen ihn so richtig aufmöbeln. Die Fahrerkabine ist mit dunkelrotem Leder und dicken Nieten verziert, die nostalgischen Schalthebel und das große Lenkrad versprühen den Mythos der amerikanischen Landstraße. Sie verschifften das Fahrzeug nach Deutschland und übergaben es den künstlerischen Händen des  „Haus-Airbrushers“ Franz Prause. Er brushte in sechswöchiger Arbeit die leuchtenden Motive auf  – ein Hingucker ohnegleichen. Über 300 funktionstüchtige Lämpchen verzieren die Zugmaschine, die hintere Stoßstange haben sich die Niebel selbst designt. Nichts erinnert noch an das Speditionsfahrzeug-Dasein, das der „Peterbilt“ hinter sich hatte. Werbewirksamer kann Thorsten Niebel nicht auftreten.

 Mit dem Westernumfeld ist er praktisch aufgewachsen. Als Vater Klaus 1981 begann, mittels speziellen Transfers  T-Shirts mit allen möglichen Motiven zu bedrucken, war noch nicht abzusehen, was sich daraus einmal entwickeln würde. Die Trucker-Motive fanden besonders guten Absatz und so nach und nach entwickelte sich das Geschäft. Der heutige Katalog umfasst Western- und Bikermode, Accessoires, Buckles und Boloties, Schmuck und sogar die Line Dance DVDs von Fairplay. „Wichtig ist, dass man ehrlich ist“, erläutert er die Geschäftsphilosophie. „Fragt ein Kunde nach der Herkunft eines Stückes, dann erfährt er von mir auch, dass es in Fernost nach amerikanischem Vorbild oder auch tatsächlich in Amerika gefertigt wurde. Das zahlt sich aus.“ Er ist einer, der genau weiß, was er will. „Die Qualität muss immer stimmen“, ist er sicher und beobachtet dabei aus den Augenwinkeln genau, wenn sich Kunden seinem Verkaufsstand im Zelt nähern.

Seit 2007 verkauft der Westernversand und American Store Niebel in Schloss Holte-Stukenbrock auch  in einem wunderschönen amerikanischen Store. Gebaut mit viel Liebe zum Detail, ein kleines Stück Amerika mitten in Nordrhein Westfalen. Die Niebel`s erweiterten ihr Geschäftsfeld, veranstalten American Days, US-Car-Präsentationen,  Bikertreffen und auch Country-Musik-Events.  Line Dance kann Thorsten Niebel nicht. „Aber die Line Dancer gehören natürlich zu meinen Kunden“, weiß er. Und von nun an können sie auch dieses Living Line Dance-Magazin bei ihm erwerben, das er als Wiederverkäufer mit ins Portfolio genommen hat.